Radtouren-Logbuch

Von der kurzen Trainingsfahrt bis zur großen Radreise.

25 km – Mödling

19. November 2009

Heute fuhr ich wieder meinen ehemaligen Schulweg über die Weinbergstraße nach Mödling, um eine Lieferung abzuholen. Es war gemessen an der Jahreszeit angenehm warm.

Strecke: Baden – Pfaffstätten – Gumpoldskirchen – Mödling und gleiche Strecke retour.
Distanz: 25 km
Fahrrad: Batavus

30 km – Biedermannsdorf

26. September 2009

Heute fuhr ich zu einem Klassentreffen meines Maturajahrgangs nach Biedermannsdorf. Knapp mehr als die Hälfte meiner ehemaligen Mitschüler nahmen an dem Treffen teil. Ich fuhr nach Pfaffstätten, bog von der Badenerstraße in die Dolpstraße ein und fuhr auf der Straße östlich der Bahn nach Gumpoldskirchen. In Guntramsdorf zweigte ich auf den Radweg neben dem Wr. Neustädter Kanal ab, da der Radweg durch Biedermannsdorf führt und ich daher nicht lange nach dem richtigen Weg suchen musste. Das Stück zwischen Laxenburg und Biedermannsdorf wurde offensichtlich irgendwann in den letzten 10 Jahren asphaltiert, ist aber mittlerweile, vermutlich aufgrund unzureichenden Unterbaus oder nicht eingeplanter Dehnungsfugen, wieder grauslich zu befahren.

Strecke: Baden – Pfaffstätten – Gumpoldskirchen – Guntramsdorf – Laxenburg – Biedermannsdorf und gleiche Strecke retour
Distanz: 30 km
Rad: Batavus

Sölden – Ötztal Bahnhof und Wien – Baden

13. September 2009

Talent-Garnitur im Bahnhof Ötztal

Um 10:00 Uhr verlasse ich das Hotel und fahre das Ötztal weiter talauswärts. Es ist bewölkt, regnet aber nicht. Wäre das Wetter stabiler und trocken gewesen, wäre ich über das Kühtai nach Innsbruck gefahren. Bei der aktuellen Wetterlage beschließe ich aber, nur bis Ötztal-Bahnhof zu fahren und mich dort in den Zug zu setzen. Zunächst geht es nur wenig bergab, fast eben dahin. Später kommt wieder richtiges Gefälle. In Längenfeld wird die Straße durch einen Blasmusik-Umzug blockiert und ich muss warten. Während der Wartezeit beginnt es leicht zu tröpfeln. Später während der Fahrt wird der Regen stärker. Um etwa 11:30 erreiche ich den Bahnhof Ötztal und trockne die nasse Kleidung in der Sonne.

Mit einem Regionalzug fahre ich bis Innsbruck, wo ich etwas länger Zeit habe und vom Bahnhof zur Altstadt spaziere. Der Eurocity-Zug EC 569 kommt mit etwa einer halben Stunde Verspätung an. Ich lade mein Fahrrad ein und finde mit Mühe einen Sitzplatz in dem relativ vollen Zug. Da es in Wien trocken ist und ich wieder Lust habe, mich zu bewegen, wechsle ich nicht von der West- zur Südbahn, sondern lasse die letzten Kilometer der Fahrkarte verfallen und fahre mit dem Rad auf kleinen Umwegen bis Baden.

Strecke: Sölden (1362) – Längenfeld (1179) – Oetz (768) – Ötztal Bahnhof (Gemeinde Haiming) sowie nach Bahnfahrt Wien – Baden
Distanz: 69 km (39 + 30)

Saltaus – Timmelsjoch – Sölden

12. September 2009

Passhöhe Timmelsjoch bzw. Passo Rombo

Da ich dringend einkaufen muss (das Wochenende steht bevor und meine Lebensmittelvorräte sind praktisch Null), verzichte ich auf eine weitere Befahrung der Radroute entlang des Flusses und fahre auf die normale Straße. In St. Martin finde ich einen Supermarkt. Bis zum Beginn der eigentlichen Steigung auf das Timmelsjoch in St. Leonhard geht es zwar das Passertal aufwärts, es gibt aber immer wieder auch kurze Bergabstücke. War es in der Früh noch vollständig bewölkt, so ist es jetzt wieder sonnig und unangenehm heiß. In St. Leonhard mache ich eine Pause um zu essen und kehre etwas später auf einen Kaffee ein.

Auf ca. 1500m beginnt es zu regnen. Da in diesem Bereich mehrere Tunnels bzw. Galerien sind, stelle ich mich eine Zeit lang unter. Als der Regen wieder nachlässt, fahre ich weiter. Er wird aber wieder stärker. Auf einer Höhe von ca. 1700m sehe ich ein paar Häuser und meine Hoffnung, dass eines davon ein Gasthaus sein möge, erfüllt sich. Ich kehre ein und pausiere für etwas mehr als eine Stunde. Danach ist der Regen weg und sogar die Sonne lässt sich wieder blicken. Gestärkt geht es weiter aufwärts. Die Bewölkung kommt später wieder, aber es regnet an diesem Tag nicht mehr.

Es ist später Nachmittag und der Verkehr hat in der Zwischenzeit stark abgenommen. Offenbar haben sich viele Ausflügler durch den kurzen Regen bzw. die Bewölkung abschrecken lassen. Langsam arbeite ich mich höher. Als die Kräfte langsam nachlassen, beginne ich aus dem Watzmann zu zitieren. Gegen 19:00 Uhr erreiche ich die Passhöhe des Timmelsjochs. Ich ziehe die lange Hose, den Fleecepulli und die Windstopperjacke über und begebe mich nach dem Fotografieren auf die Abfahrt. Wie erwartet erreiche ich auf dem langen geradeaus führenden Bergabstück vor dem Windeck die höchste Geschwindigkeit dieser Tour. Der insgeheim erhoffte Hunderter geht sich nicht aus, aber es reicht immerhin zu 86 km/h. Die Verhältnisse lassen heute nicht mehr zu.

Die Gegensteigung nach dem Windeck ist länger als erwartet. In diesem Bereich herrscht dichter Nebel. Nach Überwindung der Steigung ist auch der Nebel wieder weg und es geht weiter bergab. Stellenweise ist die Straße hier nass. Da das Wetter nicht sonderlich stabil aussieht, tendiere ich eher dazu, ein Zimmer zu nehmen, als einen der Campingplätze aufzusuchen. Eigentlich wollte ich noch bis etwa Längenfeld fahren, entscheide mich aber spontan in Sölden zu bleiben und nehme ein Zimmer im Gasthof Grauer Bär.

Strecke: Saltaus (490) – St. Martin (597) – St. Leonhard (689) – Moos (1007) – Timmelsjoch (2509) – Hochgurgl – Obergurgl – Zwieselstein (1472) – Sölden (1362)
Distanz: 64 km
Höhenmeter: über 2100

Dimaro – Gampenpass – Saltaus

11. September 2009

interessanter Baum nahe Revo

Am Campingplatz in Dimaro nutze ich ausgiebig das vorhandene WLAN (1 Std. kostet 3,00 Euro). Bis ich wieder auf der Straße bin, ist es nach 11:00 Uhr. Zunächst geht es noch ein Stück bergab. Der Tiefpunkt liegt auf etwa 600m. Der einzige Berg, der heute auf dem Programm steht, ist der Gampenpass (auch Gampenjoch bzw. Passo Palade). Leider gibt es keinen regelmäßigen Anstieg. Es geht mehrfach hinauf und hinunter und in den meisten Anstiegen ist die Steigung sehr gering. Da mein Energieanfall von gestern auch Geschichte ist, komme ich nur sehr langsam weiter. Ich habe das Gefühl, endlos zu fahren ohne nennenswert an Höhe zu gewinnen. Die Gegend ist sehr schön. Überall stehen Apfelbäume voll mit reifen Äpfeln. Die Gebäude wirken sehr südländisch. Ein paar Kilometer vor der Passhöhe überquere ich die Grenze zwischen Trentino und Südtirol bei St. Felix. Bald ist auch der Gampenpass erreicht. Die Abfahrt geht praktisch bis Meran, also geht es fast 1200 Höhenmeter bergab. Sie ist nicht sonderlich steil, aber breit ausgebaut und es reicht für Geschwindigkeiten über 50 km/h. Ich fahre durch Meran und spaziere entlang der Passer-Promenade. Für die weitere Fahrt gelange ich zufällig auf eine Radroute abseits der Straße entlang des Flusses. Für zügiges Vorwärtskommen ist sie nicht geeignet, da meist nicht asphaltiert. Da ich aber nur noch locker bis auf etwas über 500m Seehöhe fahren will, um die morgen anfallenden Höhenmeter etwas zu reduzieren, kommt sie mir nicht ungelegen. Ebenso zufällig stoße ich auf einen Campingplatz bei Saltaus, der an dieser Radroute liegt. Für morgen bleiben mir ziemlich genau 2000 Höhenmeter bis auf das Timmelsjoch. Die Bewölkung ist tagsüber stärker als die letzten Tage, Regen bleibt mir aber erspart. Da ich abends kein Gasthaus in fußläufiger Entfernung finde, brauche ich fast meine gesamten Lebensmittelvorräte auf.

Strecke: Dimaro (766) – Male – Cis (732) – Revo (724) – Cloz (791) – Brez (806) – Fondo (987) – St. Felix (1265) – Gampenpass (1518) – Caprile (1038) – Lana (310) – Meran (325) – Saltaus (490); im wesentlichen SS42 von Dimaro bis Fondo, danach SS238
Distanz: 86 km
Höhenmeter: über 1200

Bormio – Gaviapass – Tonalepass – Dimaro

10. September 2009

Lago Bianco nahe der Passhöhe des Gaviapasses

Kurz nach 9:00 Uhr verlasse ich den Campingplatz in Cepina. In Bormio kaufe ich einige Kleinigkeiten ein und frühstücke. Beim Aufbruch in Bormio ist es ca. 10:00 Uhr. Die Strecke auf den Gaviapass kenne ich schon von der Befahrung im Jahr 2005. In San Nicolo fahren vier Mountainbiker mit Rucksäcken von einem Radgeschäft kommend unmittelbar vor mir auf die Straße. Da sie langsamer fahren, als ich zu dem Zeitpunkt unterwegs bin, überhole ich. Bald wird klar, dass wir für die nächsten paar Stunden das gleiche Ziel haben. Wir treffen einander heute noch mehrfach. Bald stelle ich fest, dass es bei mir heute wesentlich besser rollt, als in den letzten Tagen. Der Ruhetag hat mir sicher gut getan. Waren es bei den schweizer Pässen ca. 200 Meter pro Stunde, so kann ich im Anstieg zum Gaviapass problemlos 300 m/h machen, ohne mich dabei zu verausgaben. Es liegt wohl auch daran, dass die hier größere Steigung für mich angenhemer zu fahren ist. Das Wetter ist nach wie vor gut, nur auf der Passhöhe bzw. auf der anderen Seite scheint es zu regnen. Bis wir dort sind, ist allerdings nichts mehr davon zu sehen. Ich hatte gerechnet, nicht vor 17:00 Uhr auf dem Gaviapass zu stehen, in der Realität war es kurz nach 14:00 Uhr. Oben kehrte ich ein. Die “Polenta e formaggio und noch was” entpuppte sich als ein Kasnocken ähnliches Gericht und war sehr ausgiebig. Die Abfahrt nach Ponte di Legno war nicht besonders schön. Die meiste Zeit war die Straße entweder in sehr schlechtem Zustand oder nur 2,5 m breit.

Aufgrund der eingesparten Zeit und meines guten körperlichen Zustands entscheide ich mich dafür, den Passo del Tonale auch noch heute zu fahren. Das bedeutet noch weitere ca. 500 Höhenmeter. Zwei der vier Mountainbiker begleiten mich. Gemeinsam erreichen wir die Passhöhe. Die dortige Ortschaft hat den gleichen seltsamen Charme wie alle Winterskiorte im Sommer, egal ob Obertauern oder Val d’Isere. Wir verabschieden uns voneinander und ich beschließe, zu dem auf meiner Karte verzeichneten Campingplatz in Dimaro zu fahren, der auch leicht zu finden ist. Die Abfahrt vom Tonale zählt zu den interessantesten, die ich bisher gefahren bin. Zwar ist das Gefälle nicht groß genug, um richtig schnell zu fahren, aber die Strecke ist breit ausgebaut und in den meisten Kurven muss man nicht einmal bremsen. Meist bleibt die Geschwindigkeit unter 60, nur auf einer längeren Geraden erreiche ich 66 km/h. Der 4*-Campingplatz ist sehr nobel und auch nur 2 Euro teurer, als das was ich in den letzten Nächten bezahlt habe.

Strecke: Cima Piazzi (1118) – Cepina (Valdisotto) – Capitania (Valdisotto) – Bormio (1225) – San Nicolo – San Antonio – Santa Caterina Valfurva (1738) – Gaviapass (2621) – Ponte di Legno (~1350) – Passo del Tonale (1883) – Ossana (1003) – Dimaro (766)
Distanz: 85 km
Höhenmeter: 2000

Bormio

9. September 2009

Hauptplatz in Bormio

Da ich nicht Stilfser Joch und Gaviapass mit Gepäck an zwei unmittelbar aufeinander folgenden Tagen fahren möchte und auch das Gefühl habe, dass eine Pause nicht schaden kann, lege ich einen Ruhetag ein. Am Vormittag fahre ich nach Bormio und spaziere durch die sehenswerte Altstadt. Am Nachmittag fahre ich nach einem Einkauf wieder zurück zum Campingplatz. Den Hund, den ich dort 2005 getroffen habe, scheint es nicht mehr zu geben, dafür mehrere Katzen.

Strecke: Campingplatz “Cima Piazzi” – Cepina (Valdisotto) – Capitania (Valdisotto) – Bormio und gleiche Strecke zurück
Distanz: ca. 14 km
Höhenmeter: 100

Santa Maria – Umbrailpass – Stilfser Joch – Bormio

8. September 2009

Andreas auf dem Umbrailpass

Mein Zelt steht morgens wieder lange im Schatten. Bis ich weg komme, ist es 11:00 Uhr. Die Steigung auf den Umbrailpass beginnt unmittelbar bei der Ausfahrt des Campingplatzes. Zunächst ist die Straße bestens asphaltiert und ich frage mich, ob das bis zur Passhöhe so bleibt. Bei meiner letzten Befahrung (1993) gab es noch ein Stück mit Schotter, an dessen Länge und Lage ich mich nicht mehr genau erinnern kann. Auf ca. 1800m Seehöhe kommt dann, was kommen musste. Zum Glück reicht das nicht geteerte Stück der Straße nur bis auf ca. 2000m. Die Länge habe ich nicht beachtet, aber es werden wohl etwas über 2km sein. Danach gibt es wieder durchgehend Asphalt. Durch die etwas größere Steigung im Vergleich zu den letzten gefahrenen Pässen kann ich meine in den letzten Tagen beobachtete Steigungsrate von ca. 200m pro Stunde (inkl. Pausen) etwas übertreffen. Schließlich erreiche ich den Umbrailpass, wo ich eine Gruppe anderer Radfahrer fotografiere und mich fotografieren lasse.

Das eigentliche Ziel des heutigen Tages ist Bormio, jedoch käme es für mich niemals in Frage, Richtung Bormio abzufahren, ohne vorher auf dem Stilfser Joch gewesen zu sein. Die restlichen 250 Höhenmeter sind anstrengend und ich brauche viele Pausen, da meine Oberschenkelmuskulatur permanent übersäuert ist. Doch auch langsam kommt man ans Ziel. Auf der Passhöhe des Passo dello Stelvio ziehe ich warme und winddichte Bekleidung über, packe meine wichtigsten Sachen in den Rucksack und sperre das Rad ab. Danach gehe ich zur Tibet-Hütte. Alleine der Ausblick auf die Serpentinen der südtiroler Seite der Straße ist diesen kurzen Weg wert. Nach einer kleinen Stärkung gehe ich wieder hinunter zur Passhöhe und auf der anderen Bergflanke zur Dreisprachenspitze. Hier verlief eine der Fronten des ersten Weltkriegs. Italiener, Österreicher und Schweizer, die ihr neutrales Territorium zu verteidigen hatten, trafen hier aufeinander. Reste der Stellungen sind noch zu sehen. Nachdem ich mich informiert und einige Fotos gemacht habe, gehe ich wieder hinunter zu meinem Fahrrad. Um 19:19 beginne ich die Abfahrt Richtung Bormio. Es sind nur noch sehr wenige Fahrzeuge unterwegs. Ich versuche gar nicht, besonders schnell zu fahren, sondern genieße einfach die Abfahrt. So bleibt die Höchstgeschwidigkeit bei 68 km/h. Ich erreiche Bormio mit dem letzten Tageslicht und fahre gleich weiter Richtung Cepina. Kurz darauf erreiche ich den mir bereits bekannten Campingplatz und nach Zelt aufstellen und Duschen erfreue ich mich an der wohlverdienten Pizza und einem Glas Rotwein.

Strecke: Campingplatz Santa Maria (~1420) – Umbrailpass (2503) – Stilfser Joch (2758) – Bormio (1225) – Cepina (Valdisotto) – Campingplatz “Cima Piazzi” (1118)
Höhenmeter: ca. 1350
Distanz: 44 km

Flüelapass – Ofenpass – Santa Maria

7. September 2009

Straße auf den Flüelapass

Nach einer kalten Nacht bleibe ich bis 9:00 im Zelt, da ich nicht merke, wie spät es ist, weil die Sonne so lange hinter den Bergen bleibt. Nachdem die Sonne heraus kommt, ist auch das Zelt bald trocken und während ich den Vortageseintrag für den Blog schreibe, trocknet auch die Zeltunterlage. Um ca. 10:00 breche ich auf. Es fehlen noch ca. 250 Höhenmeter bis zur Passhöhe des Flüelapasses. Es ist weniger Verkehr, als ich befürchtet hatte. Vor der Passhöhe sehe ich wieder das Paar auf dem Tandem, das mich gestern schon auf dem Wolfgangpass überholt hatte.

Auf dem Flüelapass esse ich eine Bündner Gerstensuppe und trinke einen Cappuchino. Danach geht es hinunter nach Susch und leicht bergauf weiter bis Zernez. Dort beginnt die Steigung auf den Ofenpass. Große Stücke der Ofenpassstraße sind Baustelle, da sie einen neuen Belag und auch eine neue Unterkonstruktion bekommt. Es gibt mehrere einspurige Teilstücke, zum Teil mit Ampel, zum Teil manuell geregelt. Als bergauf fahrender Radfahrer liege ich aber ohnehin außerhalb jeder Regelung, da ich es nicht schaffe, innerhalb der kurzen Grünphasen die entsprechenden Teilstücke zu bewältigen. Im Zweifelsfall warte ich am rechten Fahrbahnrand. Ich benötige ohnehin viele Pausen. Die Einspurregelung hat den Vorteil, dass zwischendurch manchmal minutenlang gar kein Fahrzeug an mir vorbei fährt. Von Ova Spin geht es wieder ca. 150 Höhenmeter hinunter. Neben dieser größeren gibt es auch mehrere kleinere Abfahrten. So verliere ich wieder einen Teil der mühsam erarbeiteten Höhenmeter.

Letztlich erreiche ich die Passhöhe kurz nach 18:00. Ich beschränke meinen Aufenthalt auf die Zeit, die ich zum Fotografieren und Anziehen benötige. Fast den ganzen Tag ist es in de Sonne sehr heiss gewesen, während die Lufttemperatur gar nicht so hoch ist. Die Abfahrt Richtung Santa Maria liegt völlig im Schatten und es ist empfindlich kühl. Ich bin froh, die lange Hose und die Jacke übergezogen zu haben. Der Campingplatz in Santa Maria liegt etwas außerhalb, aber in einer für mich günstigen Richtung. So spare ich mir morgen ein paar Höhenmeter Richtung Umbrailpass.

Strecke: (2130) – Flüelapass (2383) – Susch (1426) – Zernez (1472) – Ova Spin (1850) – Punt la drossa (1709) – Ofenpass (2149) – Fuldera (1638) – Sta. Maria in Müstair (1375)
Distanz: 59 km
Höhenmeter: ca. 1100

Liechtenstein – Wolfgangpass – Davos

6. September 2009

Sankt Luzisteig nahe der Grenze zwischen Liechtenstein und der Schweiz

Für die Übernachtung zahle ich 11 Euro. Das dürfte im Moment der Standardtarif für Radfahrer mit Zelt sein. Auch auf den Campingplätzen in der Schweiz und in Italien zahle ich ziemlich dasselbe. Die Fahrt beginnt mit der Steigung nach St. Luzisteig. Da das dortige Militärmuseum nur Samstag nachmittags geöffnet ist, fällt eine Besichtigung aus. Nach der kurzen Abfahrt zweige ich Richtung Klosters/Davos ab. Auf der Straße Nr. 28, die den restlichen Weg des heutigen Tages bildet, ist abschnittweise Radfahrverbot ausgeschildert. Das ist aber nicht weiter schlimm, da es sich großteils um eine neue Trasse handelt und das Radfahren mit wenig sonstigem Verkehr auf der alten Straße möglich ist. Die Umwege halten sich in Grenzen.

Auf einem Rastplatz zwischen Klosters und Davos mit Blick auf den Silvrettagletscher unterhalte ich mich mit einem 84-jährigen ehemaligen Busfahrer aus der Schweiz. Unmittelbar vor Davos überquere ich den Wolfgangpass, mit dem ich gar nicht gerechnet habe, da ich ihn bisher auf der Karte übersehen hatte. Die Abfahrt nach Davos ist kurz (keine 100 Höhenmeter). Eigentlich wollte ich in Davos übernachten. Auf meiner Karte ist ein Campingplatz eingezeichnet und auf der Karte bei der Touristinformation sind es sogar zwei. In der Realität finde ich aber keinen der beiden an den entsprechenden Orten.

Da ich aber morgen über den Flüelapass und den Ofenpass fahren möchte, ziehe ich es ohnehin vor, heute noch einige hundert Höhenmeter zurückzulegen, um morgen nicht ganz so viel bergauf fahren zu müssen. Daher fahre ich nach einer Pause beim See weiter Richtung Flüelapass. Ich verlasse Davos um 19:30 und fahre weiter hinauf als geplant, da es einerseits bei gemütlicher Fahrt ganz gut läuft und ich andererseits keine geeignete Übernachtungsmöglichkeit finde. Als ich mich schon mit dem Gedanken anfreunde, heute noch über die Passhöhe zu fahren, wird es mir dann doch zu kalt und ich werde zu müde. So stelle ich mein Zelt bei einem größeren Parkplatz auf ca. 2130m Seehöhe auf. Die Nacht ist kalt (abends 1,0 und morgens 1,3 Grad) und mit dem dünnen Leichtschlafsack an der Grenze. Ich beschließe, auf dieser Reise nicht mehr so hoch im Freien zu übernachten.

Strecke: Camping “Auf der Säge” (~500) – Balzers (674) – Sankt Luzisteig (713) – Maienfeld (518) – Landquart – Schiers (660) – Klosters (1124) – Wolfgangpass (1626) – Davos (1560) – Flüelapass-Straße (2130)
Distanz: 74 km
Höhenmeter: 2000

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