Watschig – St. Sigmund

Morgens war der Regen vorbei. Bis Kötschach-Mauthen fuhren wir auf der Gailtalbundesstraße und zweigten dann ins Lesachtal ab. Die Landschaft ist dort unbeschreiblich schön. Eine enge Straße windet sich entlang der nördlichen Talflanke. Das ständige Auf und Ab und die vielen Kurven bilden den besonderen Reiz dieser Straße. Auf den Wiesen in der Talsohle stehen unwahrscheinlich viele Heustadeln. Der Verkehr hält sich in erträglichen Grenzen, was vermutlich daran liegt, daß es auch breiter ausgebaute und weniger hoch gelegene Straßen zwischen Kärnten und Osttirol gibt. In der Ortschaft Obertilliach, die wir zum gemeinsamen Treffpunkt auserkoren hatten, trafen wir kurz nacheinander ein und hielten Mittagspause. Das Gewitter war so freundlich, bis zu unserer Pause zu warten und verlängerte diese ein wenig.

Einige Kilometer nach Obertilliach erblickt man neben der dort ebenen Straße ein Schild mit der Aufschrift Kartitscher Sattel 1529 m. Vor der folgenden Abfahrt ins Drautal täte man gut daran, dafür zu sorgen, daß man nicht hinter einem der dort gehäuft auftretenden italienischen Autofahrer herfährt, die bei Tempo vierzig auf die Bremse steigen und prinzipiell so weit links fahren, daß man kaum überholen kann. Im Drautal herrschte starker Verkehr. Vor der Grenze nutzten wir in Sillian die letzte Möglichkeit, ohne hohe Bankspesen zu Bargeld zu kommen. Danach wollten wir an einer Tankstelle unseren Reifendruck etwas aufbessern, was aber am schwachen Kompressor scheiterte. Er schaffte nämlich nicht viel mehr als sechs Bar. An der Grenze zwischen Ost- und Südtirol war trotz des großen Fahrzeugdurchsatzes kein Stau.

Südtirol ist ideal für Leute, die deutsch sprechen und italienisch lernen wollen oder umgekehrt, da fast alle Tafeln und Beschriftungen zweisprachig ausgeführt sind. Den Rest des Tages hatten wir starken Rückenwind. Zuerst ging es noch das Drautal aufwärts, dann das Pustertal flußabwärts. Durch den Wind fuhren wir hier meist um 45 km/h. Leider herrschte dichtester Autoverkehr, aber es gab hier keine Alternativen ohne gehörigen Umweg. Vor einer größeren Ortschaft gerieten wir in einen noch größeren Stau, dem wir dann aber doch wieder entkamen. Nachdem die Gegend zum wilden Campieren denkbar ungeeignet war, nahmen wir diesmal einen Campingplatz, woran vielleicht auch unsere Sehnsucht nach einer Dusche mitschuld war. Der Campingplatz bei St. Sigmund liegt etwa auf halbem Weg zwischen Bruneck und Brixen.

Distanz: 140 km