St. Sigmund – Naturns

Da wir nach Meran wollten, aber den angeblich noch viel ärgeren Verkehr zwischen Bozen und Meran scheuten, entschieden wir, über Sterzing und den Jaufenpaß zu fahren. Bis Brixen war das Verkehrsaufkommen noch sehr hoch, danach verlagerte sich der motorisierte Verkehr auf die Brennerautobahn. Die parallel führende Bundesstraße war wenig befahren. Das Eisacktal stieg gemächlich an. Kurz nach Sterzing legten wir unmittelbar vor Beginn der Steigung auf den Jaufenpaß eine Pause zur Zufuhr von möglichst viel Energie ein. Vor uns lag der erste Zweitausender unserer Tour und wir hatten einen Höhenunterschied von 1100 Metern zu bewältigen.

Da beim Bergfahren ohnehin jeder sein eigenes Tempo und seinen eigenen Rhythmus finden muß, brachen wir gleich einzeln auf. Ich benötigte bei den Pausen meist mehr Zeit als meine Freunde, um die entsprechenden Sachen auszupacken, mich umzuziehen oder zu essen und wieder einzupacken. Da ich mich auf den Bergen am meisten zu Hause fühlte, konnte ich mir das Trödeln bei Pausen erlauben, ohne jemand aufzuhalten. Etwa zwei Stunden nachdem Alex als erster aufgebrochen war, trafen wir alle fast gleichzeitig auf dem höchsten Punkt auf 2094 m ein. Mit der Temperatur machten wir bei vielen Pässen die gleiche Erfahrung. Unten war es drückend heiß und oberhalb der Baumgrenze wurde es schneller kühl als uns lieb war. Oben zogen wir uns zunächst warme Kleidung über, aßen und tranken ein wenig, fotografierten einander vor dem Schild mit der Höhenangabe sowie die Landschaft rundherum und fuhren dann wieder hinunter.

Die Abfahrten liebe ich besonders. Man braucht etwas Erfahrung, um die richtige Kurventechnik zu finden, verliert dann aber immer mehr die Scheu vor hohen Geschwindigkeiten, wenn man weiß wo die Grenzen liegen. Durch das Gepäck liegt der Schwerpunkt tiefer als sonst, was die Straßenlage noch verbessert. Leider war der Straßenbelag bei vielen Abfahrten auf unserer Route ziemlich holprig. In St. Leonhard hatten wir die eigentliche Abfahrt hinter uns, bis Meran ging es aber noch leicht bergab. Nachdem wir Meran durchquert hatten, mussten wir eine längere Steigung bewältigen, um ins Etschtal zu gelangen. Dort gab es Obstplantagen soweit das Auge reichte. Wir fuhren das Tal weiter aufwärts und übernachteten in einem kleinen Wald vor Naturns. Da es sehr feucht war und zu regnen drohte, bauten wir ausnahmsweise das kleine Zelt auf und spannten unsere Plane über Äste. So blieben wir trotz nächtlicher Regenschauer trocken.

Distanz: 112 km