Orsieres – Pre St. Didier

Der Große St. Bernhard ist einer der Pässe, wie ich sie nicht besonders gern habe. Bei Steigungen über 10% weiß ich wenigstens woran ich bin und kann den Höhenunterschied in kurzer Zeit bewältigen. Der Anstieg bis zum Nordportal des Mauttunnels war aber sehr lang und entsprechend flach. Der lange, unbeleuchtete Tunnel vor Bourg St. Pierre trug ebensowenig zur Hebung meiner Laune bei wie die noch längere, kalte und zugige Galerie direkt vor der Einfahrt zum Scheiteltunnel. Erst oberhalb des Tunnels erreichte die Steigung 11%. Der Verkehr war stärker als erwartet, es fuhren doch nicht alle Autos durch den 5.8 km langen Mauttunnel. Aber wenigstens das Wetter ließ nichts zu wünschen übrig.

Nachdem alle auf der Paßhöhe eingelangt waren, gingen wir ein Stück höher und hielten in der Sonne ausgiebig Mittagspause. Es dürfte sich hier um den Pflichtpaß für Hundebesitzer handeln. Scheinbar muß jeder mit seinem Dackel oder sonstigem kleinen Hund wenigstens einmal auf diesem Berg gewesen sein. Es wurden aber trotzdem keine Bernhardiner daraus. Touristen und Pseudobergsteiger gab es in rauhen Mengen. Unsere letzten schweizer Franken investierten wir in Ansichtskarten. Bei der Herstellung der obligaten Paßfotos fiel uns zum ersten Mal auf, daß 8114 Fuß eigentlich viel imposanter klingt als 2473 m. Kurz nach der Paßhöhe passierten wir die Grenze zu Italien. Die Abfahrt war gut ausgebaut.

Auf den letzten Kilometern vor Aosta hatten wir starken Gegenwind. Das erfreute mich insofern, als ich wußte, daß wir nun im Aostatal Rückenwind haben mußten. Die einzige bleibende Erinnerung an dieses Tal ist der sehr starke Verkehr, der von Aosta durch den Mont-Blanc-Tunnel nach Chamonix strömt. Besonders auffällig war der hohe LKW-Anteil. In Pre-St.-Didier verließen wir die Transitroute und zweigten zum Kleinen St. Bernhard ab. Für den Besuch einer Pizzeria reichte unser Lirevorrat gerade noch. Wenige Kilometer danach errichteten wir unser Nachtlager auf einem Hügel mit lichtem Wald.

Distanz: 98 km