Valloire – Guillestre

Der Col du Galibier ist sozusagen der heilige Berg der französischen Radfahrer. Zunächst wußten wir nicht warum, da es doch zwei höhere Alpenpässe in Frankreich gibt. Noch bevor ich den Paß gänzlich bezwungen hatte, wußte ich warum. Abgesehen von einem Flachstück in der Mitte bewegte sich die Steigung der kurven- und kehrenreichen aber schattenlosen Straße meist zwischen 10 und 12% und diese war damit steiler als die meisten anderen Paßstraßen in Frankreich oder der Schweiz. Geröllhalden wechselten mit Grashängen. Es waren viele Radfahrer unterwegs. Die meisten davon allerdings ohne Gepäck. Bei denen machte das Überholen besonders viel Spaß.

In rund eineinhalb Stunden brachten wir die Vormittagsetappe auf den Col du Galibier hinter uns. Die Abfahrt zum Col du Lautaret hatte Gefälle bis 15% zu bieten. Richtung Briancon fuhren wir weiter abwärts. Nach der Ortsdurchfart deckte sich unsere Route einige Kilometer mit der Radstrecke der Triathlon-Europameisterschaft. Jedenfalls stand das auf den Startnummern der Radfahrer, die wir dort überholten. Es wird wohl nicht die A-Garnitur gewesen sein. Nach ihrem Reglement durften die armen Kerle nicht einmal windschattenfahren, was angesichts des herrschenden Gegenwindes doppelt frustrierend gewesen sein muß.

Nachmittags braute sich ein Gewitter zusammen. Da wir keine Lust hatten, im Regen zu fahren warteten wir unter einer Pappelgruppe und vertrieben uns die Zeit mit Lesen und Schlafen. Das Gewitter verwandelte sich aber bald in einen Landregen und der machte nicht den Eindruck als wollte er bald versiegen. Daher brachen wir, als der Regen gerade wieder etwas nachgelassen hatte, auf. Natürlich regnete es unmittelbar darauf wieder stärker. In Guillestre checkten wir in der Jugendherberge ein.

Nach dem Duschen und dem unvermeidlichen Besuch einer Pizzeria spazierten wir durch den kleinen Ort, der uns irgendwie an die Luis-de-Funes-Filme der Siebzigerjahre erinnerte. An dem Abend wurde ein Volksfest veranstaltet. Das ganze Dorf war auf der Straße und es gab Blasmusik, Rummelplatz und Feuerwerk. In der Jugendherberge lernten wir zwei Deutsche und einen Züricher Radfahrer kennen, welche bis Nizza den gleichen Weg hatten wie wir. Am nächsten Tag trafen wir sie unterwegs noch mehrmals.

Distanz: 85 km