Heimfahrt 1. Tag

Der Campingplatz gefiel uns nicht besonders. Nach zwei Wochen in den Alpen machte uns auch die Hitze auf Meeresniveau etwas zu schaffen. Die Cote d’Azur war nicht unbedingt mein Fall. Das eigentliche Ziel waren ja auch mehr die Alpenpässe. All dies waren die Gründe, die uns bewogen die Heimfahrt anzutreten. Wäre die Wohnung in Monaco frei gewesen, wären wir wahrscheinlich noch ein paar Tage länger geblieben. So aber machte ich mich auf die Suche nach dem Bahnhof, während meine Freunde wieder zum Strand fuhren. Ich erkundigte mich nach den Preisen für die Bahnfahrt und den Radtransport und nach der günstigsten Verbindung nach Wien. Die Bahnangestellten bemühten sich, mich zu verstehen und sprachen sogar ein bisschen Englisch. Um die gewünschten Informationen reicher verließ ich den Bahnhof wieder und informierte meine Kollegen.

Wir vereinbarten einen Treffpunkt und gingen, je nach Laune oder Notwendigkeit, Schwimmen, Fotografieren, Einkaufen und Geld besorgen. Ich versuchte aus einem französischen Geldautomaten die notwendigen Scheine zu beziehen, was mir erst nach Überwindung einiger Schwierigkeiten gelang. Gemeinsam fuhren wir zum Bahnhof, den wir um 12 Uhr erreichten. Die folgenden Ereignisse möchte ich ausführlich schildern.

Die Abfahrtszeit unseres Zuges war 12 Uhr 29. Wir stellten uns beim Schalter an und kamen nach einiger Zeit an die Reihe. Die Bahntickets verkaufte uns der Schalterbeamte noch ohne Probleme. Als wir allerdings die Räder aufgeben wollten, meinte er, daß der Gepäckschalter von 12 bis 15 Uhr Mittagspause habe. Auf die Feststellung, daß dies für einen internationalen Bahnhof lächerlich sei, riet er uns, die Räder in den Regionalzug mitzunehmen und in Vintimille, dem nächsten Ort wo wir umsteigen mußten, zu verschicken. Gut, wir stiegen also mit den Rädern und dem Gepäck in den Zug, der einige Minuten Verspätung hatte. Als wir nach zwei Stationen auf dem Stationsschild nicht Vintimille, sondern Ventimiglia sahen, wußte ich, daß wir Probleme mit den Rädern haben würden. Leider liegt der Grenzbahnhof in Italien und die Italiener transportierten in jener Zeit kein Reisegepäck und schon gar keine Fahrräder.

Unser Anschlußzug war aufgrund der Verspätung und der Zollkontrolle ohnehin auch schon abgefahren. Christian meinte, daß Fragen ja nichts koste, und versuchte, irgendwelche Informationen über Fahrradtransport zu erhalten. Die Antworten reichten von … closed for Biciclettas … bis … generally impossible … , was sich mit meinen Erwartungen deckte.

Da wir uns nicht von unseren Rädern trennen wollten, sahen wir nur eine Möglichkeit. Alex und Karli blieben mit dem gesamten Gepäck in Italien, und Christian und ich fuhren mit vier Fahrrädern im Zug wieder nach Frankreich. Der Zollbeamte wunderte sich zwar, hatte aber nichts dagegen einzuwenden. Wieder in Menton angekommen, gaben wir beim mittlerweile geöffneten Gepäckschalter die Räder auf. Zuerst mußten wir noch warten, bis der Kaffee verteilt war. Das Ausfüllen der Formulare und das Berechnen der zu zahlenden Summe waren hochstehende Aufgaben, bei denen man sich keinen Fehler durch übereiltes Handeln leisten wollte. Beim Zahlen legten wir großen Wert darauf, möglichst alle Münzen los zu werden.

Die Fahrräder durften wir noch in Kartons verpacken. Sie sollten über Paris und Deutschland geschickt werden, während wir über Italien heim fuhren. Der Regionalzug zurück nach Ventimiglia hatte gerade so viel Verspätung, daß wir wieder einen Anschluß nach Mailand versäumten. Schließlich verließen wir die französisch-italienische Grenze vier Stunden später als geplant. In Mailand mußten wir ungefähr zweieinhalb Stunden warten. Der Zug nach Tarvisio, den ich im Fahrplancomputer gefunden hatte, erschien auf der Anzeigetafel nur mit der Destination Triest. Wir dachten, daß der Zug wahrscheinlich Kurswagen hat und daß die Richtung ja bis zum Morgen des nächsten Tages in jedem Fall stimmen würde und besetzten das anscheinend letzte freie Abteil. Der Schaffner lochte unsere Tickets ohne jede Kritik. Wir schliefen unerwartet gut.

Fahrrad-Distanz: 9 km


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