Valdisotto – Glurns

Heute Morgen ist es noch stärker bewölkt, als an den Tagen zuvor. Noch während ich das Zelt abbaue, beginnt es zu regnen. Sowohl ein Campinggast, mit dem ich mich mit meinen spärlichen Italienisch-Kentnissen unterhalte, als auch der Wirt halten es für keine besonders gute Idee, heute auf das Stilfser Joch zu fahren. Die Wettervorhersage ist nicht sehr gut.

Ich trinke einen Kaffee und warte, bis der Regen aufhört. Als es schließlich soweit ist, fahre ich los. Kurze Zeit später beginnt es wieder zu regnen. Bis Bormio bin ich einigermaßen nass. Ich kehre auf einen Cappuccino ein und der Regen hört bald wieder auf. Darauf beschließe ich, Richtung Stilfser Joch loszufahren und nötigenfalls noch ein paar regenbedingte Pausen einzulegen bzw. wenn nötig auch auf halber Höhe zu übernachten.

Es gibt keinen anderen Weg zurück nach Österreich, der nicht ein ziemlich großer Umweg wäre. Immer wieder benötige ich während der Bergfahrt meine Verschnaufpausen, versuche aber, sie möglichst kurz zu halten und stetig an Höhe zu gewinnen. Ohne neuerlichen Regen komme ich bis auf knapp über 2000m. Zwei Kehren vor einem mit „Bar“, „Zimmer frei“ und „Nationalpark“ beschilderten Haus beginnt es stärker zu regnen.

Dort hätte ich ohnehin einkehren wollen, also mache ich das auch. Die einzige angebotene warme Speise ist Toast. Der Regen hört bald wieder auf und ich mache mich auf die letzten zehn Kilometer bzw. 650 Höhenmeter bis zum Passo dello Stelvio. Ab 2400m wird es relativ flach. Hier gibt es sehr viele Murmeltiere. Von rechts und links höre ich sie pfeifen.

Ich erreiche die Abzweigung zum Umbrailpass und in die Schweiz. Da es nicht regnet und auch nicht so aussieht, als würde es gleich wieder beginnen und ich die paar Minuten Zeit habe, fahre ich auf den Umbrailpass und mache ein paar Fotos. Dann geht es die paar Meter wieder hinunter und weiter Richtung Stilfser Joch. Kurzzeitig kommt sogar die Sonne heraus. Vor der Passhöhe kommt noch eine Gruppe von zehn Kehren.

Etwas mehr als fünf Stunden nach der Abfahrt in Bormio erreiche ich das Stilfser Joch. Nach dem Anziehen warmer Kleidung spaziere ich ein paar Minuten auf der Passhöhe herum. Ich besichtige das Fausto-Coppi-Denkmal und die Kapelle. Den Zirkus mit den Souvenierständen kenne ich schon.

Danach verlasse ich die Lombardei endgültig und beginne die Abfahrt mit 48 Kehren auf der nebeligen südtiroler Seite. Leider ist der Belag sehr schlecht, sodass ich vor den Kehren auf 15 bis 20 km/h abbremsen muss. Beim Schild zum Campingplatz in Trafoi überlege ich kurz, setze aber die Abfahrt fort, da ich noch heute so weit wie möglich hinunter will.

In Spondinig biege ich links Richtung Reschenpass ab. Etwas später bemerke ich in Schluderns die Beschilderung zum Campingplatz in Glurns und entscheide spontan, dort hin zu fahren. Es ist ein Viersterncampingplatz, der auf mich sehr nobel und etwas versnobt wirkt. Nie vorher sah ich einen Campingplatz mit Hundedusche.

Strecke: Valdisotto (1141) – Bormio (1225) – Umbrailpass (2504) – Passo dello Stelvio (2758) – Trafoi (1543) – Gomagoi (1260) – Prad am Stilfser Joch (915) – Spondinig – Schluderns (921) – Glurns (907)

Distanz: 63 km

Höhenmeter: 1800